Zu den Filmbesprechungen (page 32)

Sehen...
Sehen können Sie in Afrika sehr viel - aber nicht jeder hat die Möglichkeit, selbst jemals nach Afrika zu kommen. Diese Rubrik unserer website soll daher etwas ganz Anderes bewirken: wir möchten über
afrikanische Filme berichten, vielleicht auch den ein oder anderen Filmemacher vorstellen,... Ein Buch wie „Afrikanisches Kino" kann das natürlich nicht ersetzen, aber vielleicht schaffen wir es, Sie auf interessante Filme hinzuweisen, die Sie vielleicht übersehen hätten (im wahrsten Sinne des Wortes). Eine Hilfe ist uns hierbei -mal wieder- das Afrika-Bulletin des Schweizer Afrika-Komitees (Anschrift unter Freundschaftsgesellschaften), die ab und zu über Filme berichten und uns erlaubt haben, ihr Material zu verwerten. Herzlichen Dank dafür!

Afrikanisches Kino ist anders: Wer den Film Cinema Paradiso gesehen hat, weiß, dass das Kino vor etlichen Jahren auch bei uns anders war als heute: man geht ins Kino zur Unterhaltung, weil sonst nichts los ist, weil man den Nachbarn treffen will, man redet mit dem Nachbarn, man isst,... Natürlich ist Kino fast überall ein eher städtisches Vergnügen. Wo es keinen Strom gibt, gibt es kein Kino, und umherziehende Kinomobile hat es in den Sechzigern gegeben, aber heute praktisch nicht mehr.

Das in den meisten afrikanischen Ländern eingeführte
Fernsehen ist häufig nicht überall zu empfangen, benötigt teure Empfangsapparaturen und auch wieder Strom - inhaltlich bietet es leider wenig mehr als Regierungspropaganda, amerikanische Billigserien, brasilianische Seifenopern und europäischen Liga-Fußball... Kino ist zugegebenermaßen häufig auch nicht viel besser: viel indische Filme, viel Kung Fu, viel amerikanische Filme, aber eben auch eine ganze Reihe anspruchsvoller Filmemacher.

Selten hat man in Europa die Möglichkeit, afrikanische Filme zu sehen, oft werden sie nur eine Woche lang in Programmkinos gezeigt oder überhaupt nur auf Festivals wie der Berlinale in Berlin oder dem 1999 schon zum siebten Mal in Zürich stattgefundenen
„cinemafrica" - Festival. Häufiger noch verschwinden sie nach der Premiere auf dem Filmfestival FESPACO in Ougadougou / Burkina Faso. Dieses Festival hat in den letzten Jahren einen stetig steigenden Einfluss auf das Filmschaffen in Afrika gewonnen. Beim ersten Festival 1969 wurden Filme aus gerade fünf afrikanischen Ländern gezeigt, 1999 liefen 150 Filme aus fast allen Ländern des Kontinents. In der Festivalzeit kamen über 400.000 Besucher in die (Freiluft-)Kinos der Hauptstadt (allerdings: in der übrigen Zeit des Jahres laufen leider auch in burkinabischen Kinos indische, amerikanische oder brasilianische Filme...). Dem ermordeten Präsidenten Thomas Sankara ist es übrigens zu verdanken, dass der afrikanische / einheimische Film in Burkina Faso einen solchen Stellenwert bekam. 15% des Einspielerlöses ausländischer Filme musste in einen Fonds für inländische Produktionen eingezahlt werden.

Heißer Tipp: am ehesten findet man afrikanische Filme (oft in Originalfassung mit Untertiteln) im
französischen Auslandsfernsehen (übrigens auch im deutschsprachigen Europa über den Satellit EUTELSAT zu empfangen). Schauen Sie aber immer mal wieder in unseren Kalender (page 34 oder Vorschau auf page 11), sporadisch tauchen dort auch Filmfestivals oder Filmwochen auf - leider und seltsamerweise gerade nicht im veranstaltungs„toten" Winter, sondern auch im Sommer, wenn überall auch andere Afrikabezogene Veranstaltungen stattfinden!

Auf den nächsten Seiten werden wir einige Filme aus afrikanischer Produktion vorstellen - wobei das oft etwas täuscht, wenn man genauer hinschaut: Technik, Ton, Produzent kommen häufig aus Europa, aber sehr oft wird vor Ort gedreht, sehr oft auch mit Laienschauspielern aus den Dörfern oder Stadtteilen, in denen der Film gedreht wird. Erst ab Mitte der sechziger Jahre erschienen die ersten afrikanischen Filme auf dem internationalen Markt.
Pioniere des afrikanischen Kinos sind Paul Vierya / Senegal, Ousmane Sembène / Senegal, Med Hondo / Mauretanien, Moustafa Alassane / Niger und Lionel Ngakane / Südafrika. Bis heute kommen die wichtigsten und anspruchvollsten Beiträge einer afrikanischen Filmkultur aus den frankophonen Ländern Westafrikas; in den letzten Jahren gibt es daneben einen bemerkenswerten Aufschwung der Filmkultur in Marokko, in Ghana und Nigeria sowie in Simbabwe. Auch die Republik Südafrika verfügt über eine beachtliche Filmindustrie und strebt Kooperationen unter den afrikanischen Ländern an. Ein erster Erfolg dieser Bemühungen ist Idrissa Ouédraogos neuer Spielfilm Kini und Adams (page 168), der vom burkinabischen Regisseur mit südafrikanischen Schauspielern in Simbabwe gedreht wurde.

In vielen neueren Produktionen geht es um
Grenzen - innerhalb Afrikas, zwischen Afrika und Europa, zwischen Stadt und Land, zwischen Tradition und Moderne; mittlerweile gibt es auch ganz verschiedene Filme von afrikanischen Regisseuren, Dokumentarfilme ebenso wie Abend füllende Spielfilme, Kurzfilme von wenigen Minuten oder auch Roadmovies wie TGV-Express.

Beim FESPACO 1999 wurde mit
Wasis Diop aus dem Senegal einer der wichtigsten Filmkomponisten Afrikas ausgezeichnet. Ein wichtiges Element eines jeden afrikanischen Films ist die Musik - wie auch im „echten Leben" Musik eine immens große Rolle zu jeder Tageszeit spielt.

In den siebziger Jahren wurde durch die Gründung der rein afrikanischen Verleihgesellschaft CIDC (Consortium Interafricain de Distribution Cinématographique) die Situation des afrikanischen Films in Afrika selbst erheblich verbessert, bis dahin waren Verleih und Abspielstätten in den Händen europäischer Gesellschaften geblieben, die lieber europäische und amerikanische Filme gezeigt hatten.


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