Kindersoldaten
Studie der Internationalen Koalition gegen den Einsatz von Kindersoldaten

Kindersoldaten kämpfen an vielen Fronten. Allein in Afrika, so das wichtigste Ergebnis eines von der Internationalen Koalition gegen den Einsatz von Kindersoldaten im Frühling 1999 präsentierten Berichts, sind über 120.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bei Armeen und Rebellen im Einsatz. Achten Sie mal bei Gelegenheit, wenn Sie z.B. im Fernsehen Fotos von Soldaten im Kongo sehen, wie viele davon den erwachsenen Soldaten gerade mal zur Brust reichen und wie bewundernd sie ihre „Herren" anschauen!

Kinder im Krieg: Sie werden zu Mördern gemacht und sind zugleich wehrlose Opfer, zum Töten missbraucht. Viele dieser Kinder sind nicht älter als sieben Jahre. Besonders schwer wiegend, so der Bericht, ist das Problem in den Ländern Algerien, Angola, Burundi, Kongo-Brazzaville, in der Demokratischen Republik Kongo, Liberia, Ruanda, Sierra Leone, Sudan und Uganda. Allein in Uganda wurden in den vergangenen Jahren mindestens 8000 Kinder von den Rebellenorganisationen entführt. In Burundi wird die Zahl der Kindersoldaten auf bis zu 10000 geschätzt. Neu hinzugekommen ist nach UNO-Berichten von Juni 2001 Äthiopien.

Kinder kennen keine Angst:
„Kinder sind gute Kämpfer. Sie denken, alles sei nur ein Spiel. Deshalb haben sie keine Angst" zitiert die Studie einen Rebellenführer aus der Demokratischen Republik Kongo. Zu Tausenden werden Kinder in Afrika zum Dienst in der Armee oder bei Rebellenbewegungen rekrutiert. In vielen afrikanischen Ländern ist der Einsatz von Kindersoldaten eine Selbstverständlichkeit. Oft melden sich Kinder freiwillig, weil sie bei den Militärs versorgt werden oder die Sicherheit einer Gruppe suchen. Doch zum afrikanischen Alltag gehört auch, dass Tausende von Kindern mit vor gehaltener Waffe in den Krieg gezwungen werden.

Die Studie, zum Auftakt der „Afrikanischen Konferenz zum Einsatz von Kindersoldaten" von Mitte April 1999 in der Hauptstadt von Mosambik, Maputo, präsentiert, bietet einen Überblick über die Praxis der Rekrutierung, die Gesetzeslage und die Situation von Kindersoldaten in Afrika.

Auf Grund ihres Alters ist für die Kinder der Einsatz an der Front mit ungleich höherem Risiko und Schrecken als für Erwachsene verbunden. Viele werden schon mit sieben Jahren in bewaffnete Konflikte hinein gezogen. Sie müssen Munition oder Nahrung tragen, sind beliebt als unauffällige Spione oder Boten. Sobald sie eine Waffe tragen können - oft mit zehn Jahren - werden sie dann als Soldaten eingesetzt. Für viele beginnt der Einsatz als lebender Kugelfang: An Kontrollpunkten müssen sich Kinder unter Lebensgefahr den Autos nähern, während die Erwachsenen durch das
„Schutzschild" Kind aus der Schusslinie bleiben.

Kultur der Gewalt prägt die Kinder:
Viele Kindersoldaten sind gerade auf Grund ihres Alters leicht zu manipulieren und werden deshalb oft zu besonders gnadenlosen Mördern. Die Studie berichtet von schrecklichen Massakern in Algerien, bei denen alle Täter jünger als 17 Jahre waren. Buben, etwa 12 Jahre alt, enthaupteten ein 15jähriges Mädchen und spielten mit dem Kopf ihres Opfers. Die Studie zeigt am Beispiel Sierra Leone, dass bei vielen Gräueltaten die Kinder und Jugendlichen unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol standen. Hauptverantwortlich sei aber der „systematische Missbrauch der Kinder in Verbindung mit der herrschenden Kultur der Gewalt".

Viele der Fälle, die der Bericht wieder gibt, gehen auf das Konto bewaffneter Rebellen. Die Hutu-Opposition in
Burundi etwa hat systematisch Jungen und Mädchen unter 15 Jahren für ihre Truppen rekrutiert. In Uganda hat die berüchtigte Lord´s Resistance Army LRA Jahre lang Kinder aus Schulen und von zu Hause entführt. Wer sich wehrte, zu fliehen versuchte oder nur krank wurde, wurde geschlagen oder getötet. Auch den Mädchen blieb dieses Schicksal nicht erspart. Sie werden vor allem zur sexuellen Befriedigung der Soldaten in die Lager geholt. Sie müssen Vergewaltigungen ertragen, werden mit den Kämpfern angeblich „verheiratet". Wo immer Kinder kämpfen, geraten ihre Altersgenossen unter Verdacht: Im Januar 1999 exekutierte die ugandische Armee fünf Teenager. Den Buben wurde vorgeworfen, den Rebellen an zu gehören. In Kongo - Brazzaville wurden bei einer Attacke alle verdächtigen „Rebellen", die alt genug waren,. eine Waffe zu tragen, getötet.

Keine Soldaten unter 18!
Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist allerdings auch, dass die große Mehrheit der afrikanischen Staaten das Mindestalter für den Einsatz in der Armee bereits auf 18 Jahre fest gelegt hat. Ausnahmen sind Angola, wo die Grenze unlängst von 18 auf 17 herab gesetzt wurde, und Uganda, wo schon Jugendliche ab 13 Jahren einberufen werden können.

Die „Internationale Koalition gegen den Einsatz von Kindersoldaten" fordert vor dem Hintergrund der neuen Studie dringend, das Mindestalter für den Einsatz von Soldaten weltweit auf 18 Jahre fest zu legen. Die Koalition, getragen von großen Nichtregierungsorganisationen, setzt sich dafür ein, diese Forderung in einem Zusatzprotokoll zur UN - Kinderrechtskonvention von 1989 fest zu schreiben. Dies wäre nach Ansicht der beteiligten Organisationen ein wichtiger Schritt, um die betroffenen Staaten unter Druck setzen zu können.

Die vorliegende deutschsprachige Übersicht der Studie stammt von UNICEF Österreich.

Weitere Informationen z.B. über www.child-soldiers.org und im Themenheft Kindersoldaten von „Der Überblick" 2/98 (www.der-ueberblick.de)


Die UNO - Konvention über die Rechte des Kindes vom März 1997

Jedes Kind hat das Recht auf

- Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung, unabhängig von Rasse, Religion, Herkommen und Geschlecht;
- Gesundheit und medizinische Hilfe;
- Bildung und Ausbildung;
- Freizeit, Spiel und Erholung;
- sich zu informieren, sich mit zu teilen, gehört zu werden und sich zu versammeln;
- eine Privatsphäre und eine Erziehung im Sinne der Gleichberechtigung und des Friedens;
- Schutz vor Grausamkeit, Missbrauch und Gewalt;
- Schutz vor ausbeuterischer Kinderarbeit;
- sofortige Hilfe bei Katastrophen und Notlagen;
- eine familiäre Gemeinschaft, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause;
- Betreuung bei Behinderung.

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