Magie und Mopeds, Buschbrände und Brunnenbauer
Bilder aus Benin
Auszüge aus einem Bericht von Karin Adelmann, Bonn
© Deutsche Welthungerhilfe, „Welternährung" 1/2001
Benin ist ein junges Land. Mehr als die Hälfte der Beniner sind jünger als fünfzehn Jahre. Und alle fahren Moped, ganze Familien auf einem Zweirad, Vater, Mutter, Kind, Baby. Die allgegenwärtigen Mopedtaxis sind das wichtigste - und meist auch einzige - „öffentliche" Verkehrsmittel. Man steigt auf den Sozius und los geht´s. Es braucht nur Mut. Und eine robuste Lunge, denn ringsum qualmen schrottreife Autos und überladene Trucks. Getankt wird am Straßenrand Schmuggel-Sprit aus dem nahen Nigeria.
Vor zehn Jahren hat hier „der Wind aus Osteuropa die Kokospalmen geschüttelt". Benin wandte sich als erstes Land Afrikas vom „Großen Bruder" ab und Demokratie und Marktwirtschaft zu. Zwar sind die Armen immer noch arm, doch Benin ist eines der sichersten Länder Westafrikas. Es gibt Pressefreiheit, kaum Kriminalität, keine politischen Banden. Hafen und Wirtschaft profitieren davon.
Wir fahren von der Küste nach Norden, Richtung Parakou. Der Wind treibt roten Staub in alle Poren. Wasser ist hier knapp, es zu holen ist Frauensache - und Schwerstarbeit. Zum Glück gibt es heute auch in entlegenen Gegenden Brunnen. Wie in Gounon-Yrpu, einem Dorf, das schon zum Sahel gehört. Früher mussten die Frauen bis zum Fluss oder gar acht Kilometer bis zum Brunnen im nächsten Dorf laufen, „und der war oft leer", erzählen sie. Ein fünfköpfiges Komitee wartet den neuen Brunnen: Boboua Bani verwaltet die Kasse, Förster Baboua Amadou pflegt die Bäume und den Zaun, damit keine Tiere das Wasser verschmutzen. Kede Kanta schmiert die Winde mit Erdnussöl, und die Frauen Sabi Dgonganii Gani und Sabi Lamatou halten alles sauber, damit sich keine Würmer einnisten. Das Wasser ist wunderbar, schwärmen sie. Sie sind froh, dass sie jetzt mehr Zeit haben.
Ende der 60er Jahre wurde mit dem Bau von Schachtbrunnen begonnen, zunächst als Nothilfe für Dürreopfer im Sahel. Daraus entstand eines der erfolgreichsten Projekte in der Region. Rund 1500 Brunnen wurden gebaut. Fast die gesamte Verantwortung für Bau und Wartung liegt inzwischen bei einheimischen Kleinunternehmen und den Brunnenkomitees der Dörfer. Ein Schachtbrunnen besteht aus einem Schacht von eineinhalb Metern Durchmesser, auf dessen Sohle sich das Wasser sammelt. Er ist nachhaltiger als ein Bohrbrunnen: Er kann von den Dorfbewohnern gewartet werden, und da er nur Oberflächenwasser nutzt, sinkt der Grundwasserspiegel nicht.
Nach Norden hin nehmen die Baumwollfelder zu. Baumwolle ist eine der wenigen „cash crops" des Landes, also eine Ware, die auf dem Weltmarkt Geld bringt. Baumwolle laugt den Boden aus, der massive Pestizideinsatz [Spritzmittel] ruiniert Gesundheit und Umwelt. Gründe genug, um vom Baumwollanbau weg zu kommen, doch stattdessen wird er weiter ausgedehnt.
Brandgeruch hängt in der Luft. Ständig wird gezündelt. „Ökologisch eine Katastrophe, doch die Leute kennen es nicht anders", sagt mein Begleiter „Mal wird Buschland für ein neues Feld gerodet, mal brennt man trockenes Gras ab, um großflächigen Buschbränden vorzubeugen." Große Bäume werden zu Holzkohle verarbeitet, dem wichtigsten Brennstoff der Stadt. Welche Chance hat da Aufforstung? Daniel Loconon hat den Eindruck, dass die Bauern allmählich begreifen, dass Dürre, versiegte Wasserstellen und Erosion etwas mit dem Abbrennen von Feldern und Buschland und mit der Abholzung der letzten Wälder hier im Westen zu tun haben. Der Agraringenieur leitet AGEDREN in Manigri, eine Organisation, die sich auf Agrarprojekte und Ressourcenschutz spezialisiert hat. Er baut Baumschulen auf, organisiert Aufforstungen und Bienenhaltung. Auch die Gründung von Frauengruppen und Frauenförderung gehören dazu.
Die Baumschulen produzieren rund 10.000 Obst- und Nutzholzsetzlinge jährlich und bilden junge Leute aus, die selbst Baumschulen gründen können. Olossoumare Adame, Sous-Präfekt und Verwaltungschef von Manigri, fördert Waldschutz und Aufforstung. „Es wird zu viel Holz illegal eingeschlagen, oder einfach geklaut, auich für den Export", sagt er. „Zur Zeit können wir das nicht verhindern, mit nur drei Förstern für 5000 Quadratkilometern Wald." Besserung erhofft er sich von der Dezentralisierung und Verwaltungsreform (page 242). Städte und Gemeinden sollen mehr Selbständigkeit erhalten, ihre Bürgermeister selbst wählen. Der Termin der ersten Kommunalwahlen wird wohl erst im Sommer 2001 fest gelegt werden.
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